Sie sind hier: Informationen / Berichte / Patientenorientierte Rettung
Sonntag, 01. August 2010

Patientenorientierte Rettung

Entfernen der Klebenaht der Frontscheibe
Entfernen der Klebenaht der Frontscheibe
Herauslösen der Frontscheibe
Herauslösen der Frontscheibe
Zerschneiden des B-Säule
Zerschneiden des B-Säule
Einschnitt im Dach anstatt an der C-Säule
Einschnitt im Dach anstatt an der C-Säule
Überklappen des Dachs
Überklappen des Dachs
Rettungsfenster erstellen
Rettungsfenster erstellen
Entlastungsschnitt auf der Beifahrerseite
Entlastungsschnitt auf der Beifahrerseite
Entlastungsschnitt beim Träger auf der Beifahrerseite
Entlastungsschnitt beim Träger auf der Beifahrerseite
Entlastungsschnitt beim Träger auf der Fahrerseite
Entlastungsschnitt beim Träger auf der Fahrerseite
Einsatz des Stempels
Einsatz des Stempels
Entlastungsschnitte und die Auswirkungen
Entlastungsschnitte und die Auswirkungen

Am 11. Juli trafen sich um 9 Uhr 14 Feuerwehrkameraden/-kameradinnen der Leopoldshöher Wehr um an einem Sonderdienst mit dem Thema patientenorientierte Rettung nach einem Verkehrsunfall teilzunehmen.

Es wurde mit einem theoretischen Teil vorweg begonnen.In diesem Teil wurde darauf eingegangen, wie man sich an der Unfallstelle verhält und was welcher Trupp zu tun hat. Da das Teilnehmerfeld unterschiedliche Wissens- und Kenntnisstände hatte, wurde die Feuerwehrdienstvorschrift 3 (FwDv 3) zuerst behandelt. Anschließend wurden die neuen Rettungsmethoden besprochen, da viele neue Kameraden mit dem Thema noch nie in Berührung gekommen waren oder aber die Kameraden ihren letzten Lehrgang vor vielen Jahren besucht haben und sich seit dem sehr viel geändert hatte. Zwischendurch gab es ein gemeinsames Frühstück.

Als alle Fragen beantwortet wurden, haben sich die Feuerwehrleute mit dem LF 24, RW 1 und den MTW Richtung Firma Wacker auf den Weg gemacht. Dort wurden der Feuerwehr drei Übungsobjekte auf dem Werkstattgelände zur Verfügung gestellt. Hier nochmal ein Dank an die Fa. Dieter Wacker.

Das erste Fahrzeug, ein VW-Polo ohne Türen, wurde unter Anleitung des Referenten "bearbeitet". So wurden alle Arbeitsabläufe nacheinander durchgeführt. Zuerst wurde das Fahrzeug unterbaut und die Scheiben abgeklebt. Dabei ist darauf zu achten, dass das Fahrzeug so wenig wie möglich bewegt wird, damit der Patient keine weiteren Verletzungen bzw. zusätzliche Schmerzen erleidet.

Nach der alten Methode wurde die Fahrzeugbatterie abgeklemmt um ein Auslösen der Airbags zu verhindern. Diese Methode findet heute keinen Anklang mehr, da in vielen Fahrzeugen mehr als eine Batterie verbaut sind. Desweiteren wäre es ohne Strom nicht möglich, elektrisch betriebene Fenster oder Sitze, bedienen zu können.

Sollte es möglich sein, dass Fenster heruntergekurbelt oder gefahren werden können, sollte man dies tun, da das Zerstören der Fenster sehr laut ist und den Patienten erschrecken könnte. Zudem mindert dies auch die Verletzungsgefahr der arbeitenden Rettungskräfte. Gibt es Fenster bei denen dies nicht möglich ist, werden diese parallel zum Unterbauen abgeklebt. Sind die Fensterscheiben abgeklebt, wird mittels Federkörner die Scheibe zersplittert und die Splitter entfernt.

Um später beim Abnehmen des Daches keine unnötigen Gefahren einzugehen, werden alle Sicherheitsgurte nach Absprache mit dem Rettungsdienstpersonal durchtrennt.

Im nächsten Schritt kommt es darauf an, wie alt das Fahrzeug ist. Hat man ein Fahrzeug, bei dem die Front- und Heckscheibe mit einem Gummi befestigt ist, gilt es dieses zu entfernen und die Scheibe herauszunehmen. Hat man eine Scheibe die geklebt ist, fängt man mit dem Schneiden an. Hier sollten sämtliche im und am Fahrzeug befindlichen Personen Mundschutz tragen, da der Glasstaub krebserregend ist. Mit der hydraulischen Schere wird am A-Holm direkt unter dem Dach ein Stückchen des A-Holms entfernt, so dass man dort den Spreizer einsetzen kann. Diese Schnitte werden auf beiden Seiten getätigt. Es wird nun mit dem Spreizer das Dach nach oben weg gedrückt, wodurch sich die Klebenaht der Scheibe löst. Sollten noch Reste der Folie die Scheibe und das Dach zusammen halten, kann man diese mit einem Messer durchschneiden. Dabei muss der Patient mit einer Decke abgedeckt sein, damit keine Glasstückchen ins Fahrzeug fallen oder in evtl. Wunden geraten.

Ist die Scheibe oben abgetrennt wird eine Brechstange durch das Fahrzeug geführt um die Frontscheibe nach vorne über die Motorhaube von dem A-Holm zu lösen. Ist dies geschehen, wird die Decke über die Frontscheibe gelegt, somit sind spitze Kanten verdeckt und es kann sich keiner daran verletzen.

Es muss beim Einsatz der Schere dringend darauf geachtet werden, wo die Treibladungen sowie die Airbags sitzen, da von ihnen eine sehr große Gefahr ausgehen kann, wenn man sie zerschneidet.

Der B-Holm wird so hoch wie möglich (zwischen der Umlenkrolle des Anschnallgurtes und Dach) zerschnitten. Dabei ist wie gesagt darauf zu achten, wo Airbags oder Treibladungen sitzen.

Die C-Säule wird nur wenn dies nötig ist zerschnitten. Statt dessen wird das Dach kurz vor der C-Säule mit zwei bis drei Schnitten versehen. Es wird extra mehr als ein Schnitt ins Dach getätigt, da bei vielen Fahrzeugen Verstärkungen oder aber die Laufschienen des Schiebedaches sich in dem Dach befinden und diese gestärkt sind. Dadurch würde es Unmöglich werden das Dach umzuklappen. Sind diese Schnitte durchgeführt worden, wird das Dach nach hinten umgeklappt und mit einer Leine gegen das Zurückklappen gesichert.

Nun kann damit begonnen werden die Türen zu entfernen. Dabei sollte man sich so wenig Arbeit wie möglich machen. Geht die Tür auf, so braucht man lediglich die Scharniere sowie den Kabelbaum zu durchtrennen.

Sind die Fahrer- sowie Beifahrertür entfernt, wird auf der Fahrerseite ein Rettungsfenster geschnitten. Bei einem Rettungsfenster handelt es sich um eine Öffnung im Fußraum des Fahrzeuges um besser an die Füße des Patienten bzw. die Pedale heranzukommen. Dabei wird in die A-Säule direkt unter dem Armaturenbrett geschnitten sowie auf Höhe des Bodenblechs. Dann wird das Stück mittels Spreizer heraus gebogen. Bei dem letzten Schnitt ist darauf zu achten, dass dieser wiederum so tief getätigt wird, dass er die Verstärkung im Bereich des Radkastens durchtrennt. Dieser Schnitt wird auch auf der Beifahrerseite gemacht. Als nächstes werden die Kotflügel entfernt, damit man sieht wo das Federbein sitzt. Vom Fahrer aus gesehen vor dem Federbein wird nun der Träger durchschnitten. Dies führt zu einer Schwächung der Karosserie, die wir im nächsten Schritt ausnutzen werden. Im Rettungsfenster wird nun der Spreizer eingesetzt um den Fußraum zu vergrößern. Auf der Beifahrerseite wird ein Rettungsstempel in Bereitschaft gebracht. Ist der Stempel nicht groß genug, um die Länge von B-Holm zu A-Holm zu erreichen, ist es möglich einen Abstützwinkel als Unterstützung einzusetzen. Es dürfen nur beide Seiten gleichzeitig drücken, da sonst einer der beiden Fußräume zusammen anstatt auseinander gedrückt wird. Nun wird auf Befehl des Einheitsführers und unter Beachtung der Entwicklung des Fahrzeuges der Stempel und der Spreizer bedient, damit das Armaturenbrett zum Motor kippt und dadurch den Fußraum vergrößert. Hat man die Schnitte bei den Trägern sowie im Fußraum richtig und tief genug gemacht, so kippt das Armaturenbrett nach vorne, ohne dass sich die Bodenplatte bewegt.

Der komplette Vorgang, mit Erklärungen, etc. dauerte ca. eine Stunde. Nach dieser Stunde wurde eine kurze Pause gemacht. Als nächstes wurde ein VW-Passat von der Gruppe angegangen um dort das gerade Erlernte ohne Unterbrechung durchzuführen.

Nachdem auch diese Aktion ca. eine Stunde gedauert hat, fasste man den Entschluss, dass man das dritte Fahrzeug unangetastet stehen lässt und lieber zusammen wieder in die Wache fährt um dort zusammen das gerade Erlebte und Gelernte bei einer Wurst und einem Glas Cola zu diskutieren.